Bereits 1950 sind wieder 1289 Gasleuchten in Betrieb. Neben sämtlichen wiedermontierten Vorkriegsleuchten kommen ab jetzt Rech-Aufsatzleuchten "Modell Modern" mit Flansch und
Schneider-Ansatzleuchten Modell Neulicht-konvex und wenig später Neulicht-52 zum Einsatz. An Stahlmasten mit bis zu 5,5 Metern Lichtpunkthöhe in vier- und überwiegend sechsflammiger Ausrüstung werden diese Leuchten in den kommenden
Jahren das Bild vieler Heidelberger Straßen prägen. Auffallend ist bei diesen Aufsatz- und Ansatzleuchten die Vielzahl verschiedenfarbiger Dachemaillierungen. Neben dem serienmäßigen standard-grün, wurden die älteren
Schneider-Ansatzleuchten (Neulicht-konvex) zum großen Teil auch mit Alu-Dach geliefert. Das Nachfolgemodell Neulicht-52 mit dem nicht unterbrochenen Konkav-Reflektor zudem mit zeitweise hellgrün und schließlich weiß emaillierten
Dachhauben (s.a. Dortmund, Hagen). Die ersten Rech-Aufsatzleuchten besitzen noch den konvexen Reflektor und eine genietete Dachhaube wie die Vorkriegsausführung. Kurz darauf Übergang zu konkavem Reflektor und punktgeschweißtem Dach
in standard-grün. Die folgende, größere Serie Rech-Leuchten erhält nun einen flachen Reflektor mit der kleinen 206er Glasglocke (vgl. Nürnberg) wie sie die jüngeren Schneider-Ansatzleuchten Neulicht-52 standardmäßig besitzen. In
dieser Serie finden sich auch dunkelgrau und graugrün („Lübecker grün“) emaillierte Dächer. Später erfolgt wieder eine Rückkehr zur Serienausführung mit großer 245er Glasglocke und grünem Dach. Während in den Altstadtgassen
anläßlich des Ersatzes alter Stemmuffenleitungen die Gasbeleuchtung bereits ab 1952 einen Rückzug erlebt, werden nahezu alle ab dieser Zeit entstehenden Neubaugebiete mit Gasbeleuchtung in großer Zahl bestückt. Dabei muß noch viel
improvisiert werden. Gasführende Stahlmaste sowie zahlreiche Rohrwandarme werden in den ersten Jahren von den Stadtwerken selbst hergestellt, z. T. aus Rohrabfällen. Neben den neuen Rech-Aufsatz- und Schneider-Ansatzleuchten
kommen hier auch die alten Vorkriegsleuchten wieder zur Verwendung, z.T. auf hohen Stahlmasten montiert. Die großen „Modell Köln“ haben inzwischen Gruppenbrenner erhalten und die große Glocke mit 295mm Durchmesser wurde durch einen
speziellen Ring gegen die gebräuchliche 245er Ausführung gewechselt. Vereinzelte Gogas-Hängeleuchten ersetzen die letzten Invert-Hängeleuchten an Wandarmen. Unklar hinsichtlich Alter und Herkunft sind eine Anzahl Vierkantleuchten
im Stil des Berliner Elektro-Modells „Unter den Linden“ mit genietetem Alu-Gehäuse, welche, hier jedoch elektrisch betrieben, auch speziell für die Beleuchtung von Straßenbahnhaltestellen zur Verwendung kommen. Bis Ende 1954 hat
sich die Zahl der Gasleuchten auf 2058 Stück erhöht, welchen nun 1410 Stromleuchten gegenüberstehen. Somit hat Heidelberg als einzigste westdeutsche Großstadt zu diesem Zeitpunkt mehr Gaslaternen als im Jahr 1939. Kurz darauf
Zeit besitzt die Abteilung Gasbeleuchtung der Stadtwerke bereits einen Hubwagen, einen Opel Blitz-1,75-Tonner mit Ruthmann-Steiger. Dieses Fahrzeug bleibt bis 1974 in Betrieb. Der jährliche Zuwachs beträgt weiterhin etwa
200 Gasleuchten pro Jahr und dieser Trend sollte bis in die erste Hälfte der 60er Jahre anhalten. (Hier Datei HDBILDER3.JPG (noch in Arbeit) einfügen) Gegen Ende der
50er Jahre zeichnet sich eine weitere Welle zur Modernisierung der Gasbeleuchtung ab, wobei die Konkurrenz durch den Strom ihren Einfluß hat. Die inzwischen eingeführte Gas-Pilzleuchte und die ab 1958 neu hinzukommende
Bamag-Reihenleuchte der sog. „Hamburger Form“, überwiegend in sechsflammiger Größe, sollten nun die bewährten Aufsatz- und Ansatzleuchten bei der Neuanschaffung ablösen. Während die ersten Pilzleuchten, Schneider Modell „Dortmund“
vermutlich leer gekauft, noch mit Einbaubrennern alter Vorkriegsleuchten bestückt werden, geht man wenig später nach Vorbild der Reihenleuchten auch in den Pilzleuchten zum sechsflammigen Reihenbrenner über. Für Pilz- und
Reihenleuchten kommen jetzt konische Stahl- bzw. Peitschenmasten zur Verwendung, später verzinkt, geliefert von Pintsch-Bamag. Reihenleuchten, eigentlich für Sammel- und Hauptstraßen konzipiert, kommen auch in schmalen Wohnstraßen
an Peitschenmasten mit über 5 Metern Lichtpunkthöhe zur Aufstellung. Ebenso von den Pilzleuchten mit Reihenbrennern, in Verbindung mit großer Lichtpunkthöhe und Leuchtenabstand nicht unter 35 Metern, versprechen sich Stadtwerke und
Bauamt eine möglichst gleichmäßige Beleuchtung. Nach Vorbild der Schneider-Pilzleuchte läßt man sich diese fortan von Rech nachbauen, speziell mit sechs Scheiben und von wenigen Ausnahmen abgesehen ebenfalls mit Reihenbrenner. Doch
auch vielen älteren Ansatzleuchten, die auf manchen Hauptverkehrsstraßen schon früh wieder dem Strom weichen müssen, winkt nun in einigen Wohnstraßen neuer Baugebiete ein zweites, zum Teil langes Leben. Der Höchststand wird im
Jahre 1964 mit 3365 Gasleuchten erreicht, welchen nun zahlenmäßig eine nahezu gleichstarke elektrische Konkurrenz gegenübersteht. Klaus Gevatter, 7/2008 ProGasLicht |