ProGaslicht e.V.

Verein zur Erhaltung und Förderung des Gaslichts als Kulturgut

 

ProGaslicht Heidelberg

 

Heidelberg – Geschichte und Entwicklung der Gasstraßenbeleuchtung

Gasversorgung:

gegr. 1853 durch Fa. Simon Doerr & Cie, später Rheinische Gasgesellschaft mit Errichtung des Gaswerkes im Stadtteil Bergheim. 1877 Übernahme des Gaswerks durch die Stadt. Die Ausweitung des Rohrnetzes ab 1902 mit Anschluß vieler Vororte machte den Bau eines weiteren Gaswerks in den Jahren 1913-15 im Stadtteil Pfaffengrund erforderlich. Nach weiterer Ausweitung des Versorgungsnetzes Aufnahme einer zusätzlichen Ferngasversorgung ab 1930. Um 1951 Errichtung des großen Gasbehälters im Pfaffengrund, nach letztem Ausbau mit neuer Gaskokerei 1955-56 erfolgt die Einstellung der Eigenerzeugung im Jahre 1966, die Erdgasumstellung 1970-72.

Gasleuchten:

Aufnahmen vor 1900 zeigen eine rasche Folge mehrere Serien v. Viereck- und Sechseckleuchten, deren Hersteller nicht bekannt sind. Anfangs mit einfachen Schnittbrennern, später mit Stehlichtbrennern nachgerüstet. Auffallend häufig Grauguß-Wandarme mit Drachenkopf. Neben sog. „Thüringer Kandelaber“ eine Vielzahl weiterer Kandelabertypen, die auch in zahlreichen anderen, vor allem süddeutschen Städten anzutreffen sind.                                            

Ab ca.1900 werden bisherige Leuchtenköpfe ersetzt durch die klassische Rundmantellaterne mit Ritterdach sowie die Vulkan-Sechsecklaterne Nr.6, auch bekannt als „Modell Breslau“. Für letzteres werden die Laternenbügel der älteren Sechsecklaternen weiterverwendet.

Um 1901 bekommt die Gasbeleuchtung auf der Straße erstmals Konkurrenz durch elektrische Bogenlampen.

Ab 1905 kommen Hängelicht-Mastaufsätze v. Himmel (s. a. Berlin), teils zweiarmig, teils mit Herablaßvorrichtung mit Invertlicht-Hängeleuchten zum Einsatz. Diese ebenfalls an entsprechenden Himmel-Wandarmen. Spätestens ab 1920 die großen Modelle „Köln“ v. Vulkan und Schneider, sowie kurz darauf die Schubscheiben-Laterne Vulkan Nr.16 (s.a. Baden-Baden, Freiburg). Letztere weist, ebenso wie die ältere Vulkan Nr. 6 anfangs noch Stehlichtbrenner auf, während Hänge- und Aufsatzleuchten in Lyraform (Modell Köln) mit ein- oder zweiflammmigen Invertbrennern ausgestattet sind. Sogar die Kombination Stehlichtbrenner und Fernzünder findet sich Anfang der 20er Jahre, auch in noch immer vorhandenen Modelleuchten aus dem 19. Jahrhundert.

Ab 1927 kommen Schneider-Aufsatzleuchten mit sogenanntem DRP-Reflektor als Modelle "Köln" (klein) und "Haag" mit Kupferdach, sowie wenig später Aufsatzleuchten Vulkan Nr.72  hinzu.  Hauptsächlich als Ersatz für sehr alte Leuchtenköpfe unter Weiterverwendung der alten Gußwandarme und – kandelaber. Diese Aufsatzleuchten weisen jetzt Gruppenbrenner auf, überwiegend sechsflammig. Möglicherweise eine Antwort auf die zu diesem Zeitpunkt schon starke elektrische Konkurrenz. Etwa gleichzeitig werden die Rundmantellaternen sowie die Vulkan Nr.6 und Nr.16 mit Einbaubrennern und ggfs. Fernzündern und Bamag- Brenndruckreglern nachgerüstet und neben den Aufsatzleuchten von Schneider auch weiterhin durch Neuanschaffungen ergänzt. Hinzu kommen später noch eine geringe Stückzahl Vulkan-Aufsatzleuchten Nr. 83 sowie an einigen Hauptverkehrsstraßen die ersten Ansatzleuchten an Auslegermasten und Rohrwandarmen. Diese Entwicklung hält bis Ausbruch des Zweiten Weltkrieges an.

Im Jahr 1935 besitzt Heidelberg 1907 Gasleuchten, wovon ca. 50 Stück auf die Vorortgemeinden Ziegelhausen und Eppelheim entfallen. 90% aller Gasleuchten sind mit Fernzündern Meteor und Bamag ausgestattet. Diesen stehen zum selben Zeitpunkt 346 elektrische Straßenleuchten gegenüber, von welchen viele von der Druckwelle der Gasbeleuchtung mitgeschaltet werden. Bis 1939 erhöht sich deren Zahl auf 546 Stück.

Während des Krieges werden alle Gasleuchtenköpfe demontiert und im Schlachthof eingelagert. Daß Heidelberg als einzigste deutsche Großstadt von Kriegszerstörungen weitgehend verschont blieb, begünstigte möglicherweise auch eine besondere Entwicklung bei der Gasbeleuchtung, die in den folgenden Jahren hier einen gewissen "Boom" erlebt.

 

Bereits 1950 sind wieder 1289 Gasleuchten in Betrieb. Neben sämtlichen wiedermontierten Vorkriegsleuchten kommen ab jetzt Rech-Aufsatzleuchten "Modell Modern" mit Flansch und Schneider-Ansatzleuchten Modell Neulicht-konvex und wenig später Neulicht-52 zum Einsatz. An Stahlmasten mit bis zu 5,5 Metern Lichtpunkthöhe in vier- und überwiegend sechsflammiger Ausrüstung werden diese Leuchten in den kommenden Jahren das Bild vieler Heidelberger Straßen prägen. Auffallend ist bei diesen Aufsatz- und Ansatzleuchten die Vielzahl verschiedenfarbiger Dachemaillierungen. Neben dem serienmäßigen standard-grün, wurden die älteren Schneider-Ansatzleuchten (Neulicht-konvex) zum großen Teil auch mit Alu-Dach geliefert. Das Nachfolgemodell Neulicht-52 mit dem nicht unterbrochenen Konkav-Reflektor zudem mit zeitweise hellgrün und schließlich weiß emaillierten Dachhauben (s.a. Dortmund, Hagen). Die ersten Rech-Aufsatzleuchten besitzen noch den konvexen Reflektor und eine genietete Dachhaube wie die Vorkriegsausführung. Kurz darauf Übergang zu konkavem Reflektor und punktgeschweißtem Dach in standard-grün. Die folgende, größere Serie Rech-Leuchten erhält nun einen flachen Reflektor mit der kleinen 206er Glasglocke (vgl. Nürnberg) wie sie die jüngeren Schneider-Ansatzleuchten Neulicht-52 standardmäßig besitzen. In dieser Serie finden sich auch dunkelgrau und graugrün („Lübecker grün“) emaillierte Dächer. Später erfolgt wieder eine Rückkehr zur Serienausführung mit großer 245er Glasglocke und grünem Dach.

 Während in den Altstadtgassen anläßlich des Ersatzes alter Stemmuffenleitungen die Gasbeleuchtung bereits ab 1952 einen Rückzug erlebt, werden nahezu alle ab dieser Zeit entstehenden Neubaugebiete mit Gasbeleuchtung in großer Zahl bestückt. Dabei muß noch viel improvisiert werden. Gasführende Stahlmaste sowie zahlreiche Rohrwandarme werden in den ersten Jahren von den Stadtwerken selbst hergestellt, z. T. aus Rohrabfällen.

Neben den neuen Rech-Aufsatz- und Schneider-Ansatzleuchten kommen hier auch die alten Vorkriegsleuchten wieder zur Verwendung, z.T. auf hohen Stahlmasten montiert. Die großen „Modell Köln“ haben inzwischen Gruppenbrenner erhalten und die große Glocke mit 295mm Durchmesser wurde durch einen speziellen Ring gegen die gebräuchliche 245er Ausführung gewechselt. Vereinzelte Gogas-Hängeleuchten ersetzen die letzten Invert-Hängeleuchten an Wandarmen. Unklar hinsichtlich Alter und Herkunft sind eine Anzahl Vierkantleuchten im Stil des Berliner Elektro-Modells „Unter den Linden“ mit genietetem Alu-Gehäuse, welche, hier jedoch elektrisch betrieben, auch speziell für die Beleuchtung von Straßenbahnhaltestellen zur Verwendung kommen.

Bis Ende 1954 hat sich die Zahl der Gasleuchten auf 2058 Stück erhöht, welchen nun 1410 Stromleuchten gegenüberstehen. Somit hat Heidelberg als einzigste westdeutsche Großstadt zu diesem Zeitpunkt mehr Gaslaternen als im Jahr 1939.

Kurz darauf Zeit besitzt die Abteilung Gasbeleuchtung der Stadtwerke bereits einen Hubwagen, einen Opel Blitz-1,75-Tonner mit Ruthmann-Steiger. Dieses Fahrzeug bleibt bis 1974 in Betrieb.

 Der jährliche Zuwachs beträgt weiterhin etwa 200 Gasleuchten pro Jahr und dieser Trend sollte bis in die erste Hälfte der 60er Jahre anhalten.

(Hier Datei HDBILDER3.JPG (noch in Arbeit) einfügen)

Gegen Ende der 50er Jahre zeichnet sich eine weitere Welle zur Modernisierung der Gasbeleuchtung ab, wobei die Konkurrenz durch den Strom ihren Einfluß hat. Die inzwischen eingeführte Gas-Pilzleuchte und die ab 1958 neu hinzukommende Bamag-Reihenleuchte der sog. „Hamburger Form“, überwiegend in sechsflammiger Größe, sollten nun die bewährten Aufsatz- und Ansatzleuchten bei der Neuanschaffung ablösen. Während die ersten Pilzleuchten, Schneider Modell „Dortmund“ vermutlich leer gekauft, noch mit Einbaubrennern alter Vorkriegsleuchten bestückt werden, geht man wenig später nach Vorbild der Reihenleuchten auch in den Pilzleuchten zum sechsflammigen Reihenbrenner über. Für Pilz- und Reihenleuchten kommen jetzt konische Stahl- bzw. Peitschenmasten zur Verwendung, später verzinkt, geliefert von Pintsch-Bamag. Reihenleuchten, eigentlich für Sammel- und Hauptstraßen konzipiert, kommen auch in schmalen Wohnstraßen an Peitschenmasten mit über 5 Metern Lichtpunkthöhe zur Aufstellung. Ebenso von den Pilzleuchten mit Reihenbrennern, in Verbindung mit großer Lichtpunkthöhe und Leuchtenabstand nicht unter 35 Metern, versprechen sich Stadtwerke und Bauamt eine möglichst gleichmäßige Beleuchtung. Nach Vorbild der Schneider-Pilzleuchte läßt man sich diese fortan von Rech nachbauen, speziell mit sechs Scheiben und von wenigen Ausnahmen abgesehen ebenfalls mit Reihenbrenner. Doch auch vielen älteren Ansatzleuchten, die auf manchen Hauptverkehrsstraßen schon früh wieder dem Strom weichen müssen, winkt nun in einigen Wohnstraßen neuer Baugebiete ein zweites, zum Teil langes Leben.

Der Höchststand wird im Jahre 1964 mit 3365 Gasleuchten erreicht, welchen nun zahlenmäßig eine nahezu gleichstarke elektrische Konkurrenz gegenübersteht.

 Klaus Gevatter, 7/2008 ProGasLicht

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Erstellt von den Berliner Verkehrsseiten im Auftrag  ProGaslicht!