ProGaslicht e.V.

Verein zur Erhaltung und Förderung des Gaslichts als Kulturgut

 

ProGaslicht Greiz

Das Greizer Gaswerk arbeitete reichlich 110 Jahre lang von 1858 bis 1969. Die regulär in Betrieb befindliche Gasstraßenbeleuchtung existierte in Greiz aber nur rund 100 Jahre lang. Am 17. November 1858 brannte die erste Gaslaterne im Gaswerksgelände selbst, am Tag darauf ging die öffentliche Gasbeleuchtung in der ostthüringischen Industriestadt in Betrieb. Die Anzahl der Laternen entwickelte sich von anfänglich 107 Stück bis zu einem Stand von rund 650 Stück im Jahre 1932, wobei aus Sparzwängen zu dieser Zeit aber nur 418 Stück davon betrieben wurden.

Bild oben: Die seit 1996 wieder in Betrieb befindliche, derzeit einzige Greizer Gaslaterne vor dem Verwaltungsgebäude des ehemaligen Gaswerkes Greiz, dem Sitz der heutigen Energieversorgung Greiz GmbH. Hier eine Aufnahme von 1997.

In Greiz gab es vier verschiedene Grundtypen von Gaslaternen: 

1. die traditionellen Rundmantellaternen , die allesamt nicht den heute noch gebräuchlichen Großen Rundmantel, sondern den Kleinen besaßen. Die Greizer Rundmantellaternen teilten sich wiederum in verschiedene Dachformen auf.

2. verfügte Greiz über sechseckige Modellleuchten.

3. existierten Aufsatzleuchten, bekannt ist hier die Vorkriegsversion des Bamag-Modells U 7, so u.a. in der Carolinenstraße.

4. gab es in Greiz einige ganz wenige Hängeleuchten (z.B. anno 1933 insgesamt nur acht Stück), u.a. in der damaligen Idastraße, der heutigen August-Bebel-Straße. Bereits 1891 wurde in Greiz die Umstellung von Gaslicht auf das Auer’sche Gasglühlicht vollzogen.

Wann genau in Greiz die letzte reguläre Gaslaterne außer Betrieb ging ist dem Autor trotz verschiedenster Recherchen noch nicht bekannt. Klar ist nur, dass es 1957 noch 320 Gaslaternen in Greiz gab und dass die Außerbetriebnahme der letzten Laterne zwischen 1958 und 1962 erfolgt sein muss. Denn der damalige Greizer Gaslaternenwärter Herr Boas musste Greiz für diesen Zeitraum verlassen. Seiner Aussage nach war die Gasbeleuchtung 1958 noch in Betrieb, während dessen sie bei seiner Rückkehr 1962 vollständig erloschen war.

Seit 1996 aber gibt es in Greiz wieder eine jede Nacht leuchtende Gaslaterne, und zwar keinen Neubau, sondern eine echte alte Greizer Rundmantellaterne mit Kleinem Rundmantel und halbkugelförmigem Dach. Diese Laterne blieb zunächst bis Anfang der 1970er Jahre in der Oberen Silberstraße erhalten, bis sie dort von Mitarbeitern des damaligen VEB Energieversorgung Gera, Werksteil Greiz als zu erhaltendes Museumsstück geborgen wurde. Man stellte sie vor einem der einst vier Gasbehälter im ehemaligen Gaswerk auf, allerdings umgebaut auf elektrischen Betrieb mittels HQL. 1993 wurde sie wegen Umgestaltungsmaßnahmen im einstigen Gaswerk, in welchem heute die Greizer Energieversorgung GmbH sitzt, abgebaut und zwischengelagert. Seit 1996 brennt sie wieder jede Nacht, und zwar wieder mit Gas (ausgestattet mit einem Trapp’schen Dämmerungsschalter) sowie an einem neuen Standort am Eingang des historischen Verwaltungsgebäudes von 1938.Text: Holger Drosdeck

Im Herbst 2008 wurden auf private Initiative 8 weitere Gaslaternen auf dem Betriebsgelände der EV Greiz aufgestellt Hier ein Überblick der nun 9 Gasleuchten in Greiz:

Gaslaterne Nr. 1 – Am Tor

Bei dieser Gaslaterne handelt es sich um eine Rundmantellaterne mit dem so genannten Großen Rundmantel des Modells Ritter auf einem verzierten gusseisernen Mast des Modells Chemnitz. Die Laterne stammt ursprünglich aus dieser Stadt, ging dort vermutlich in den 1980er Jahren außer Betrieb und konnte von einem Antiquitätenhändler in der Nähe von Chemnitz erstanden werden. Die Laterne befand sich zum Erwerbszeitpunkt in einem mäßigen Zustand und wurde einer grundhaften Aufarbeitung mit Neulackierung unterzogen.

Gaslaterne Nr. 2 – Am Zugang zum Verwaltungsgebäude

Bei dieser Gaslaterne handelt es sich um eine so genannte Aufsatzleuchte mit Glasglocke des Modells Leistner auf einem verzierten gusseisernen Mast des Modells Zwickau. Die Laterne stammt ursprünglich aus dieser Stadt, ging dort um das Jahr 2000 außer Betrieb und konnte 2004 direkt von der Stadtbeleuchtung Zwickau erworben werden. Die Laterne befand sich zum Erwerbszeitpunkt in einem recht guten, betriebsfähigen Zustand, wurde aber dennoch einer Neulackierung unterzogen. Die Laterne ist mit einem vierflammigen Gruppenbrenner mit Dämmerungsschalter der Firma Trapp ausgestattet.

Gaslaternen Nr. 3 und 4 – Am Parkplatz

Bei diesen beiden Gaslaternen handelt es sich um so genannte Modellleuchten mit runden Dächern, aber sechseckiger Laternenkopfausführung mit sechs Stück Seitenscheiben (Typ Baden-Baden).

Die beiden verzierten, gusseisernen Laternenmasten entsprechen dem Modell Plauen und stammen aus der Vogtlandmetropole. In Plauen gingen die letzten Gaslaternen 1972 außer Betrieb. Einige Laternenmasten überdauerten die Zeit in Gärten von Privatpersonen. Aber auch in so manch verwinkelter Nebenstraße ließ man den einen oder anderen Mast stehen, wenn dieser offenbar zu schwierig zu demontieren gewesen wäre. Die beiden bei der EV Greiz vorhandenen Masten konnten im Mai 2005 in Plauen erworben werden. Sie waren völlig verrostet und mussten einer grundlegenden Aufarbeitung inklusive neuer Lackierung unterzogen werden. Außerdem war einer der beiden Masten gebrochen und hatte keine Leitereisen mehr. Diese mussten daher neu angefertigt und eingesetzt werden, außerdem war eine komplizierte Gussschweißung des Mastes nötig.

Gaslaterne Nr. 5 – Nähe Umspannwerk

Bei dieser Gasleuchte handelt es sich um eine Reihenleuchte (Langleuchte) des Modells L 56 der Firma Schneider aus Hamm in Westfalen. Die Leuchte sitzt auf einem gebogenen Peitschenmast aus Walzstahl und ist mit einem sechsflammigen Gruppenbrenner in Reihenanordnung ausgestattet. Die Leuchte besitzt ein Dämmerungsschaltersystem der Firma Kalin aus Frankfurt. Aus der Mainmetropole stammt allerdings nicht die Schalttechnik, sondern die komplette Laterne. Sie war hier bis 2005 in Betrieb.

Gaslaternen Nr. 6 und 7 – Am Achteck

Bei diesen beiden Gaslaternen handelt es sich um Rundmantellaternen mit dem so genannten Großen Rundmantel des Modells 25 auf einfachen, unverzierten Wandarmen. Die beiden Laternenköpfe sind ursprünglich aus Chemnitz, gingen dort vermutlich in den 1970er oder 1980er Jahren außer Betrieb und konnten von einem Antiquitätenhändler in der Nähe von Chemnitz erstanden werden. Das Laternenmodell 25 mit dem geschwungenen Hut kam im Jahr 1925 während der Zeit der Weimarer Republik auf den Markt. Das Laternendach wurde ursprünglich aus Kupfer gefertigt, später dann auch aus Aluminium sowie aus schwarz emailliertem Blech. Beide Laternenköpfe befanden sich zum Erwerbszeitpunkt in einem schlechten Zustand und mussten einer grundhaften Restaurierung mit Neulackierung unterzogen werden. Im Falle der Laternendächer war deren Komplettdemontage nötig, wobei hier teilweise sogar das Wiederanschweißen abgebrochener Kleinteile unumgänglich war. Beide Laternen sind mit Vierfachbrennern und Trapp’schen Dämmerungsschaltersystemen ausgerüstet.

Gaslaterne Nr. 8 – Am Werkstattgebäude

Diese Wandgaslaterne ist eine der beiden seltensten und damit wertvollsten Laternen auf dem Gelände der Energieversorgung Greiz GmbH. Sie ist so zusagen die „blaue Mauritius“ unter den heute in Greiz vorhandenen Gaslaternen. Es handelt sich dabei um eine Rundmantellaterne mit dem so genannten Kleinen Rundmantel auf einem gusseisernen, verzierten Wandarm.

Dieses Laternenmodell gab es in Greiz einst in vielen Exemplaren. Eine alte Fotografie beweist, dass exakt eine solche Laterne nur wenige Meter vom Firmengelände der Energieversorgung Greiz GmbH entfernt in der Unteren Silberstraße stand, in diesem Falle aber auf einem Gusskandelaber montiert und nicht als Wandlaterne. Die Laterne hat ein besonders schönes Dach, dessen Krönung als gusseiserner Pinienzapfen ausgebildet ist. Dieses Laternenmodell ist sehr alt und stammt aus dem tiefen 19. Jahrhundert. Es hat noch einen Porzellanreflektor und keinen aus emailliertem Blech.

Gaslaterne Nr. 9 – Am Verwaltungsgebäude

Diese Wandgaslaterne ist die zweite der beiden sehr seltenen und damit wertvollsten Laternen auf dem Gelände der Energieversorgung Greiz GmbH. Es handelt sich um eine Rundmantellaterne mit dem so genannten Kleinen Rundmantel auf einem gusseisernen, verzierten Kandelaber.

Die Laterne ist komplett ein echtes Greizer Originalstück! Das Modell hat es in Greiz einst in vielen Exemplaren gegeben, wie zahlreiche alte Fotografien beweisen. Die Laterne hat ein halbkugelförmiges Dach mit einer besonders schönen Bekrönung. Das Modell ist sehr alt und stammt bereits aus dem 19. Jahrhundert. Auch diese Laterne hat noch einen Porzellanreflektor.

Links zur Gasbeleuchtung Greiz

Kreisstadt Greiz im Internet mit Tourismus-Informationen

Greizer Energieversorgung GmbH

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Erstellt von den Berliner Verkehrsseiten im Auftrag  ProGaslicht!