ProGaslicht e.V.

Verein zur Erhaltung und Förderung des Gaslichts als Kulturgut

 

ProGaslicht Frankfurt/Main

oben: Frankfurter Aufsatzleuchte

Chronik der Gasbeleuchtung

1828

Eröffnung der ersten Frankfurter Gasfabrik (4. Gasanstalt in Deutschland) durch Johann Georg Knoblauch und Johann Georg Schiele

1835

Einführung der Gasstraßenbeleuchtung (erste Leuchten am Rossmarkt und am Bockenheimer Tor)

1838

Die Gasfabrik wird zur Frankfurter Gasbereitungsgesellschaft AG

1844

Gründung einer zweiten Gasfabrik durch die I.C.G.A.

1859

Gründung des "Vereins deutscher Gasfachmänner und Bevollmächtigter deutscher Gasanstalten", der Vorläufer des "DVGW"

1863

Ausschreibung der Beleuchtung vor den Stadttoren mit 335 Laternen, die deutsche Gasgesellschaft gewinnt und stellt bald 700 Leuchten auf; in der Innenstadt betreibt die I.C.G.A. 746 Gaslaternen

1864

Gründung der Höchster Gasbeleuchtungsgesellschaft AG

1869

Die I.C.G.A. baut ein Gaswerk an der Solmsstraße in Bockenheim

1895

Die Frankfurter Gasgesellschaft unterhält 170 Km Leitungen mit 2880 Gaslaternen, die I.C.G.A. betreibt 290 Km Gasleitungen mit 2720 Gaslaternen

1897

Die I.C.G.A. stellt ihre Gaslaternen auf das Auer'sche Gasglühlicht um, das "Schwergas" der deutschen Gesellschaft ist dafür nicht geeignet

1904

In Heddernheim wird ein weiteres Gaswerk errichtet, welches die nördlichen Stadtteile versorgt, auch Griesheim bekommt ein Gaswerk

1909

Die Frankfurter Niederlassung der I.C.G.A. geht in der Frankfurter Gasgesellschaft auf

1912

 Bau eines modernen Gaswerkes am Osthafen

1925

Die erste Gas-Kundenzeitschrift Deutschlands wird von der Frankfurter Gasgesellschaft herausgebracht

1930

Gründung der Main-Gaswerke AG

1944

Das Gaswerk West und Teile des Gaswerks Ost werden durch Bomben zerstört

1945

Von Februar bis Oktober gibt es in Frankfurt kein Gas, in vielen Stadtteilen auch noch länger

1959

 Der neue Gasbehälter am Osthafen ist mit 120 Meter Höhe und einem Fassungsvermögen von 300.000 m³ das höchste Gebäude Frankfurts

1964

Höchststand der Frankfurter Gasbeleuchtung mit 11.155 Gasleuchten, damit ist der Vorkriegsstand wieder erreicht

1968

Erdgas aus den Niederlanden erreicht Frankfurt am Main

1969

Stilllegung der Gaskokerei

1969

 Erhebliche Dezimierung des Gasleuchten-Bestandes, etwa 6.000 bleiben übrig

1990

 Aus der Main-Gaswerke AG wird die Maingas AG

1998

Durch Zusammenschluß der Versorgungsbetriebe der Stadtwerke Frankfurt am Main und der Maingas AG entsteht die Mainova AG

2008

Aktuell sind noch etwa 5.700 Gaslaternen in Betrieb

Die moderne 6-flammige Reihenleuchte für die breite Stadtstraße

Die Leuchten-Typen:

Von den 5.700 Gaslaternen sind etwa 40 % Reihenleuchten (Modell 56 von Schneider), 30 % Aufsatzleuchten (Modell 52 von Schneider), 25 % Ansatzleuchten (Modell ? von Schneider) und 5 % sonstige Leuchten, darunter 4-eckige (Typ Frankfurt/Biedermeierstil) und 6-eckige (Modell Düsseldorf) Scheibenlaternen, sowie 10 im Stadtgebiet verteilte Hängeleuchten (Modell ?). Verwendet werden überwiegend Stahlrohrmaste, teilweise noch aus den 30er, meist aber aus den 50er Jahren, es gibt einige Gusskandelaber des Typs "Sachsenhausen" und "Adler", sowie ein paar Wandarme.

links: Frankfurter Hängeleuchte, rechts: eine typische Frankfurter 6-flammige Ansatzleuchte

Für auswärtige Besucher interessant:

Alt-Sachsenhausen: Große Rittergasse, Klappergasse (4-und 6-eckige Leuchten)

Ostend: Ostparkstraße, Carl-Heicke-Weg, Ostpark (Gusskandelaber, idyllische Umgebung)

Bornheim: Dorfelder Straße (Nachbauten der typischen Frankfurter 4-Eck-Leuchte in einem Altbaubereich

Niederursel: Wandarm mit Aufsatzleuchte und Hängeleuchte in dörflicher Umgebung.

In sich geschlossene Beleuchtungsensembles gibt es vor allem in Rödelheim und Schwanheim (Aufsatzleuchten), Griesheim und Heddernheim (Ansatzleuchten) und Nord-, sowie Westend (Reihenleuchten)

In der Innenstadt finden sich lediglich einige wenige Reihenleuchten (Krögerstraße, Obermainanlage)

oben: Die historische Frankfurter Viereck-Leuchte, unten: historische Sechseck-Leuchte

Leider ist gerade zur Zeit der Erdgasumstellung sehr viel historisches Material verloren gegangen. Bis dahin war Frankfurt ein wahres Freilichtmuseum für Gasstraßenlaternen, es war eine Vielzahl von Leuchten- und Kandelaber-Typen vertreten.

Allerdings verdrängten seit den 50er Jahren Gasreihenleuchten zusehends ältere Gaslaternen. Viele noch aus der Kaiserzeit oder der Weimarer Republik stammenden Leuchten und Kandelaber wurden auf den Schrott geworfen. Von einstmals mehreren Hundert Hängeleuchten blieb lediglich ein Dutzend erhalten.

Die ehemals in Frankfurt weit verbreitete Aufsatzleuchte vom Typ "Stadt-Frankfurter-Modell" oder das deutschlandweit vielfach verwendete "Stadt-Kölner Modell" wurde nicht erhalten, man kann sie lediglich auf einigen privaten Grundstücken bewundern.

Reihenleuchte in der Egenolffstr.

Stimmungsvolle Abendbeleuchtung in der Günthersburgallee

Aufsatzleuchten “An den Zeuläckern”

Sechseckleuchte in der Frankfurter Klappergasse

Ausblick:

In den letzten Jahren fand ein "schleichender" Abbau der Gasbeleuchtung statt, meist im Zuge von Straßenbaumaßnahmen. Häufig war aber kein rechter Sinn zu erkennen. So wurden kleine Wohnstraßen mit völlig überdimensionierten "Elektro-Leuchten" ausgestattet. Auch gab es - allerdings optisch missratene - Versuche mit "elektrifizierten" ehemaligen Gasaufsatzleuchten (Nebeniusstraße). 

Frankfurter Viereckleuchte

Von der zuständigen "Straßenbeleuchtung Rhein-Main" (SRM), einer Tochter der Mainova ist bekannt, dass sie nicht unbedingt als "gaslichtfreundlich" gilt. An neuer Gasbeleuchtungstechnologie, z.B. moderne Schaltgeräte mit Solarbetrieb, zeigt man sich nicht interessiert. Auch gibt es neuerdings Bestrebungen der Stadt Frankfurt, der Gasbeleuchtung wegen "zu hoher Kosten" den Garaus zu machen.

Ein schlechter Witz, wenn man bedenkt, um wie viele (oder wenige) Gaslaternen es geht, wenn gleichzeitig Hunderte extrem teure "Designer-Elektroleuchten" überall in der Stadt aufgestellt werden, das Mainufer neu ausgeleuchtet wird usw. Man wird also auch in Frankfurt höllisch aufpassen müssen, um einer Demontage der Gasleuchten und damit der Zerstörung des Kulturgutes "Gaslicht" entgegenzuwirken.

Moderne Frankfurter Aufsatzleuchte am historischen Wandarm eines modernen Gebäudes (Thaläckerstr.2)

Hängeleuchte in Frankfurter Wohngebiet (Lindenbaum)

Abendlicht in Eckenheim

Frankfurt-Griesheim (S-Bhf. F-Griesheim, Autogenstr.): Ansatzleuchten

Ansatzleuchte mit Zündfunke. Sehr speziell bei diesem Lampentyp die Glasform

Reihenleuchte (9-flammig) in Frankfurt-Sachsenhausen (Gutzkowstr.) im Abendlicht. Der kleine Zündfunke ist hier gut sichtbar, in wenigen Minuten wird die Gaslaterne zünden.

Links zur Gasbeleuchtung Frankfurt

Stadt Frankfurt im Internet mit Tourismus-Informationen

Buchtip:

Und man sieht nur im Lichte

Autor: Hanno Turnit, 2004

Die Geschichte von Gas und Strom, Wärme und Wasser in Frankfurt und der Region. Herausgegeben aus Anlass des 175-jährigen Bestehens der Frankfurter Gas- und Wasserversorgung von der Mainova AG

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