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Beispiel Berlin: Was spart Berlin bei der Umrüstung der Reihenleuchten?
Nach Berliner Senatsplänen sollen die gasbetriebenen Reihenleuchten in den nächsten Jahren schrittweise durch elektrische Leuchten
ausgetauscht werden. Die Gaslicht Initiative spricht sich gegen den Umbau aus, nicht nur weil es um den Erhalt von erhaltenswerter Industriekultur geht. Wir fragen auch nach den Kosten und der
Einsparung. Zu beurteilen, ob die Gasbeleuchtung teuer oder preiswert ist, bedarf einer genauen Betrachtung.
Kosten:
Zunächst sei festgestellt, dass sich die Berliner Gasbeleuchtung in einem äußerst gepflegten Zustand befindet. Die Leuchten selbst sowie
die Maste samt Zuleitung wurden turnusmäßig stets gut gewartet oder in den letzten Jahren erneuert. Aus technischer Sicht bedarf es keiner Grunderneuerung, die Gasbeleuchtung ist in einem sehr guten
Zustand, die elektrischen Zündmechanismen werden ständig weiterentwickelt. Der Austausch einer Reihenleuchte wird nach Angaben der Senatsverwaltung Berlin mit rund 3000 Euro veranschlagt, wenn die elektrische
Laterne im Verhältnis 1:1 ausgetauscht wird, was allerdings in vielen Straßen gegen die Euronorm EN DIN 13 201 für Straßenbeleuchtung verstoßen könnte. Bereits existierende Beleuchtungsanlagen mit Gaslaternen haben
eine Bestandsgarantie. Da aber häufig die Mastabstände größer sind, wären neu aufzubauende Elektrolaternen dichter zu stellen, etwa im Verhältnis 1:1,3. Insgesamt wären etwa ein Drittel mehr Elektro- als Gasleuchten
zu installieren. Werden nach Euronorm die neuen elektrischen Laternen in dichterer Mastfolge aufgestellt, entstehen für jeden zusätzlichen Elektromast nochmals rund 1800 Euro für eine Standard-Elektrolaterne.
Zu den Betriebskosten verweisen wir auf unsere Meldungen am Beispiel der Städte Berlin und Frankfurt:
-> Berlin: Wir haben zur Wartung und Instandhaltung die genauen Zahlen für 2007 <-
Berlin: Wir haben zur Wartung und Instandhaltung die genauen Zahlen für 2008
-> Frankfurt (Main): Zweifelhafte Zahlen zur Wirtschaftlichkeit der Gasbeleuchtung in Frankfurt / Main <-
Leistner-Hängeleuchte in Berlin (2007)
Umweltschutz:
Den Gaslaternen wird der höhere CO² Verbrauch negativ nachgesagt. Berlin, Deutschland und Europa müssen den CO²-Ausstoß
verringern, das ist uns allen klar. Welchen großen Erfolg hat Berlin zu vermelden, wenn durch den Rückbau der 8.400 Berliner
Reihenleuchten der CO²-Ausstoß in Berlin um 0,042% verringert wird? Gleichzeitig verursachen aber auch die Elektrolaternen ihren CO²-Ausstoß, dieser fängt schon bei der Produktion des Stromes an.
Die CO²-Belastung aller 44.000 Gaslaternen beträgt etwa 0,17% des gesamten Berliner CO²-Emmissionen, die 8.400 Reihenleuchten
stellen davon einen kaum mehr in der Statistik darstellbaren Wert dar. Angemerkt sei auch, dass die ersetzende elektrische
Straßenbeleuchtung keineswegs gar kein CO² verbraucht, und der Großteil der elektrischen Berliner Energie aus umstrittenen
Kohlekraftwerken stammt. Der Umweltschutz spricht auch für die Gaslaternen. Die Naturschutzverbände beklagen eine Störung der
Vogelwelt durch die Lichtverschmutzung. Tiere, dessen Lebensräume auch Städte sind, verlieren den Tagesrhythmus und geraten so
unter nachweisbaren Stress. Zudem ziehen elektrische Laternen bedingt durch ihre andere Lichtfarbe eine nicht geringe Zahl von Insekten
an, die statt auf Nahrungssuche zu gehen im hellen Lichtschein verenden. Die Nahrungskette wird dadurch nachgiebig gestört, dem
Spatz und nicht nur diesem fehlt die Nahrung. Amsel, Drossel, Fink und Co. Adé! Der Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU)
schreibt auf seiner Homepage: „Zugvögel wie die Kraniche werden vom Licht nachts magisch angezogen. Geblendet und irregeführt
starten sie unsinnige Landemanöver und fliegen nicht selten gegen Häuserwände.“ Die Aspekte zur Umwelt bezüglich der
Gasbeleuchtung abzuwägen spaltet auch die Umweltschützer. Machen Sie sich ein eigenes Bild, und schauen Sie mal genauer auf die
Leuchten der verschiedenen Laternen in der Stadt. Die Gläser der Gaslaternen sind stets sauberer und zeigen kaum Spuren von
Insekten auf. Die Lösung liegt im Licht: Das über den Glühstrumpf leuchtende Gas enthält kein UV-Spektrum und fast kein Blauspektrum im Licht, ganz im Gegensatz zum elektrischen Licht.
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Der Vergleich an der Straßengabelung: Links die neue elektrische Straßenbeleuchtung (2008) in der Berliner Fischerhüttenstr. (Ortsteil
Zehlendorf), rechts die noch mit Gas-Reihenleuchte ausgestattete Busseallee. Sind hier für den Rückbau der etwa 50 Gaslaternen rund 200.000 Euro gerechtfertigt gewesen?
Helle Straßen:
Ja, man kann Straßen mit elektrischem Licht heller ausleuchten. Fraglich ist nur, ob es erforderlich und gewünscht ist. In früheren Jahren
genügte es der Norm, lediglich die Fahrbahn auszuleuchten. Straßenlaternen nannten sich auch „Verkehrsausleuchtung“, und nach alter
Definition gehörte der Fußgänger nicht dazu. So war es auch für die elektrische Beleuchtung ausreichend, die Maste auf breiten Straßen
nur einseitig aufzustellen. Bei den in Berlin zuletzt erfolgten Elektrifizierungen von Straßenbeleuchtungen erfolgte überwiegend ein
Ersatz im Verhältnis 1:1, so dass die gegenüberliegende Gehsteigseite auch weiterhin dunkler ausgeleuchtet wird (siehe Fischerhüttenstraße).
Hinzu kommen die meist höheren Maste der elektrischen Beleuchtung für Haupt- und Wohnsammelstraßen, die mit ihrer Leuchte häufig
in den Baumkronen hängen, und so bei vollem Laub der Bäume nur noch wenig der vollen Leuchtkraft abgeben. Achten Sie mal bei
nächtlichen Fahrten auf diese Feinheiten! Die gasbetriebene Reihenleuchte befindet sich bei ausgewachsenen Bäumen meist unter der
Baumkrone. Helle Straßen wünscht sich der Autofahrer, damit er freie Fahrt hat. Der Anwohner wünscht sich eine optimale Ausleuchtung
, und möchte möglichst kein Licht der Straßenbeleuchtung in seiner Wohnung haben. Da die gasbetriebene Reihenleuchte meist nur eine
Lichtpunkthöhe von 6 Metern aufweist (nur wenige Maste erreichen eine Höhe von 7,5 Metern), streut das Licht nicht so weit auseinander.
Als Negativbeispiel sei die Kaiser-Friedrich-Str. in Charlottenburg genannt, die elektrisch hell erleuchtet ist wie ein Fußballplatz und die ersten 3 Etagen der Häuser hell ausleuchtet.
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Berliner Reihenleuchte (9-flammige Gasleuchte) im eleganten Stil der 50er Jahre. Noch heute modern im Anblick und bietet optimale
Leuchtverhältnisse (elipsenförmige Breitstrahlung) durch die reihenförmig ansteigende Lichtleiste
-> Siehe dazu Artikel zur Berliner Gasreihenleuchte auf dieser Webseite
Verkehrssicherheit:
Die Berliner Reihenleuchte erfüllt die Anforderungen für die Beleuchtung entsprechend der Verkehrsbedeutung. Je nach Bedeutung und
Breite der Straßen werden 4-, 6- oder 9-flammige Leuchten verwendet. Kreuzungs- und Gefahrenbereiche sind häufig mit der 9-flammigen
Reihenleuchte ausgerüstet, Fußgängerüberwege meist mit zusätzlichen elektrischen Leuchten ergänzt.
Text: M. Jurziczek von Lisone
www.nabu.de
www.rette-den-spatz.de
www.strassenbeleuchtung.de/technik
Warum ist die „Elektrifizierung“ einer Gaslaterne, also der direkte Umbau einer derartigen
Leuchte von Gas- auf Strombetrieb überhaupt nicht sinnvoll?
Immer wieder kommt die Idee auf, dass man bisherige Gaslaternen doch einfach umrüsten sollte. Man könne ja die inneren Teile
ausbauen und durch elektrische Leuchtmittel nebst Anschluss ersetzen.
Berliner Wohnstraße (Ortsteil Grunewald, Caspar-Theyß-Straße) mit Aufsatzleuchte Typ U7
Solche Pläne sind leider völlig ungeeignet! Warum?
Grundsätzlich geht es hier um zwei völlig voneinander unabhängige Systeme. Das bedeutet, dass man nicht einfach die Gaslaterne „auf
Strom umbauen“ kann. Eine Gaslaterne hängt direkt am Gasnetz, also am Gashauptrohr und einer Anschlussleitung. Es gibt keinen
Stromanschluss. Elektronische Schaltgeräte in den Gaslaternen werden in der Regel durch Batterien gesteuert. Seit einigen Jahren aber
auch durch Solarpaneele. In Berlin sind bereits über 10.000 Gaslaternen mit solargesteuerten Schaltgeräte ausgestattet.
Da kein Strom vorhanden ist, muss in jedem Fall die Straße aufgerissen, es müssen Anschlüsse und jede Menge Kabel verlegt werden
.
Reihenleuchte in der Berliner Auguste-Viktoria-Straße (Ortsteil Schmargendorf) am Berkaer Platz. Mehr Licht benötigt eine Wohnstraße
mit Verkehrsberuhigung (Tempo 30 mit Pflasterschildkröten) nicht (Foto: 2009)
Problematisch wird es bei den Gaslaternenmasten. Sie sind vollständig gasführend, dadurch fehlt im Mast der zum Durchrosten
notwendige Sauerstoff. Dies macht sie übrigens wesentlich langlebiger, mindestens doppelt so lang als Stromlichtmaste, denn
Stromlichtmaste sind vollständig mit Luft gefüllt. Der Mast rostet über Jahre hinweg von innen nach außen und verliert nach einer normativen Nutzungsdauer von etwa 40 Jahren seine Standfestigkeit.
Soll der Gaslaternenmast als zukünftiger Stromlaternenmast weiterverwendet werden, muss eine Mastklappe hineingeschnitten werden,
um an Elektrokabel oder Schaltgeräte heranzukommen. Der Mast nimmt dadurch definitiv Schaden und wird langsam korrodieren.
Moderner Bündelpfeilermast in Berlin (Neptunbrunnen vor dem Roten Rathaus) für die 8 mit LED betriebenen “Schinkelleuchten” (Aufnahme von 2009) sind bereits vom Werk mit einer Mastklappe für die Schaltungstechnik ausgestattet. Gaslaternen haben keine
Mastklappe, die jedoch für den elektrischen Betrieb erforderlich ist. Erfahrungen in der Vergangenheit zeigten, dass nachträglich
eingefräste Mastklappen für den elektrischen Betrieb die Laternenmaste binnen weniger Jahre durchrosten lassen können. Eine optimaler Rostschutz ist nicht gegeben.
Auch die Gasleuchte selbst ist „von Haus aus“ für Gasbetrieb ausgelegt. Sie hat einen offenen Rauchabzug, sowie eine offene Glashaube
, die der Gaslaterne zur Sauerstoffzufuhr dient. Dies alles ist bei elektrischem Betrieb nicht zulässig. Dann muß die Leuchte dicht sein,
es darf keine Feuchtigkeit eindringen. Daher müssten alle Gas-Leuchtenköpfe umgebaut werden
Bismarckplatz, Berlin-Grunewald: Aufsatzleuchten mit der Gas-Leuchtenform “U7”, rechts jedoch mit elektrischer Energiequelle, links die
drei Straßenleuchten sind “echte” U7-Laternen mit Gas als Energiequelle. Das Gaslicht zeichnet sich hier heller und klarer (“weisser”) ab, wird vom Betrachter als angenehmer empfunden
Ist dann die elektrifizierte Ex-Gaslaterne in Betrieb, so kommt als weiteres Problem die Beschaffenheit des Leuchtengehäuses hinzu. Die
Teile der Gasleuchte bestehen aus Metall, Emaille und Keramik. Dies sind übrigens alles wiederverwertbare und hochwertige Materialien.
Sie benötigen aber die Wärme, die eine Gaslaterne mit ihrem Gaslicht abstrahlt. Die Wärme sorgt für einen Korrosionsschutz dieser
Leuchten-Teile. Ist die Leuchte auf Strom umgebaut, bleibt naturgemäß auch die Wärmezufuhr weg. Der Korrosionsschutz entfällt. Die Materialien werden witterungsbedingt anfällig und rosten schnell.
Dies wird dazu führen, dass die Anwohner schon bald keine Freude mehr an den Leuchten haben. Außerdem kommt hinzu, dass die
äußere Form nur noch bei Tage wie eine Gaslaterne wirkt. Bei nächtlichem Betrieb wird für jeden sichtbar sein, dass die ursprünglich für
Gasbetrieb konzipierte Leuchte ein Licht abgibt, dass in keiner Weise dem Leuchtentyp entspricht. Es wird umpassend oder sogar kitschig aussehen.
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Sanierte Altstadt im Bundesland Brandenburg (Teltow): Kitschige Gaslaternen-Imitate ohne historisches Vorbild lassen den Marktplatz
wie eine Puppenstadt erscheinen und geben in der Nacht oranges elektrisches Licht. Die Laternenmaste sind unterliegen reinem
Phantasiestil angelehnt. Stolz hätte die Stadt sein können, wenn sie die wenigen Meter rund um die alte Dorfkirche mit historisch realen
Gaslaternen beleuchtet hätte. Bis etwa 1980 leuchteten hier noch Leistner-Aufsatzleuchten sowie Hängeleuchten mit Gas die Altstadt aus, vorher standen Berliner Modellleuchten (Schinkelleuchte) hier in der Region.
Fazit: Die umgebauten Ex-Gaslaternen werden schon nach relativ kurzer Zeit unbrauchbar und müssen ausgetauscht werden. Neue
Kosten entstehen. Darüber freuen sich nur Elektroleuchtenhersteller oder beim Ersatz von Masten die Tiefbaubetriebe.
Berlin, Ortsteil Dahlem: Straßenkreuzung Pacelliallee / Im Dol. Helles klares Licht mit nur 4-flammigen Gas-Reihenleuchten (2009)
Bettina Grimm
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