Sehr geehrte Damen und Herren,
die Pressemitteilungen von Bündnis 90/Die Grünen und der FDP (vom 8.4.08) können nicht unwidersprochen bleiben. Es ist unglaublich und empörend, mit welchen Falschaussagen hier beide Fraktionen versuchen, gezielt zum Kahlschlag einer besonderen Berliner kulturhistorischen Attraktion beizutragen. Von den Grünen haben wir allerdings nichts anderes erwartet. Schließlich war es die umstrittene Baustadträtin von Mitte, Frau Dorothea Dubrau, die Mitte 2005 offenbar Gefallen daran fand, die Gasbeleuchtung zu verunglimpfen und scheinbar gezielt falsche Informationen zu streuen. Da ist von radioaktiven Energiefressern die Rede, von alten maroden Gasleuchten, gestriger Technik und so weiter. Hanebüchener Unsinn, der längst widerlegt wurde, vor allem auch von Fachleuten aus dem Bereich Lichttechnik.
Tatsache ist: Die Berliner Gasbeleuchtung ist in einem sehr guten Zustand, 'zig Tausende Gasleuchten werden durch eingebaute hochmoderne Schaltgeräte gesteuert, die auch schon zu großen Teilen solarbetrieben
werden. Die für die Gasleuchten verwendeten Glühkörper haben eine derart geringe Radioaktivität aufzuweisen, dass man in einer Badewanne voller Glühkörper baden müsste, um überhaupt minimale Strahlung abzubekommen.
Jedes einzelne Pfund Kaffee weist eine höhere radioaktive Belastung auf als ein Glühkörper. Die CO²-Emission von Gaslaternen ist im Vergleich zum Gesamtausstoß in Berlin verschwindend gering. Die etwa 8.400
Gas-Reihenleuchten haben einen Ausstoß von 30 Tonnen, im Vergleich zum Gesamtausstoß in Berlin 60.000 Tonnen, in Deutschland insgesamt 2,4 Millionen Tonnen CO². Im Klartext: Der Anteil der Gasreihenleuchten, die als
erstes verschwinden sollen, beträgt gerade mal 0,001 Prozent. Was den Umwelt- und Naturschutzgedanken angeht, so ist Gaslicht das umweltfreundlichste Licht für nachtaktive Insekten, da es keinen UV-Anteil im
Lichtspektrum hat. Es hat außerdem große Qualitäten: es ist blendfrei, gibt die Farben unverfälscht wieder, wirft klare Schatten, es gibt keinen Lichtsmog. Ein Austausch gegen weißes Licht widerspricht eindeutig
dem Naturschutz! Für die Neuanlage von Elektrobeleuchtungen und die Demontage der Gasleuchten werden Tausende Baugruben und Gräben benötigt, das beschädigt die Baumwurzeln.
Und noch etwas: Gas ist (wenn
inzwischen auch teuer) eine absolut natürliche Energiequelle, im Gegensatz zum (ebenfalls teuren) Strom, der auch heute noch aus umweltbelastenden Kohle- oder Kernkraftwerken kommt. Glauben die Grünen denn, Strom käme
aus der Steckdose? Spielt das bei der Straßenbeleuchtung keine Rolle?
Wir bestreiten nicht, dass das Betreiben der Gasleuchten mehr kostet als das von Elektroleuchten. Wir haben errechnet, dass die Mehrkosten
einer Gasleuchte im Vergleich zur E-Leuchte durchschnittlich etwa 180 Euro betragen. Diese Zahl haben wir anhand der von SenStadt bekannten Zahlen zur Wartung und zum Verbrauch errechnet. Diese Mehrkosten werden aber
weitgehend durch die erheblich längere Lebensdauer einer Gasleuchte gegenüber einer Elektroleuchte kompensiert. Eine Gasleuchte hält durchschnittlich 2-3mal länger! Gaslichtmaste können durchaus bis zu 150 Jahre alt
werden. Tausende "historische" Maste sind nach wie vor in Betrieb. Die Leuchten halten durchaus etwa 70-80 Jahre. Die Maste können von innen nicht durchrosten, weil sie gasführend sind. Elektroleuchten haben
eine viel kürzere Lebensdauer, das ist eine Tatsache. Auch damit ist die Wirtschaftlichkeit von Gasleuchten hinreichend belegt. Über die städtebaulichen Aspekte der Berliner Gasleuchten wollen wir hier nur kurz
sprechen. Die Berliner Gasleuchten und das Gaslicht stellen ein einzigartiges Kulturgut dar, Berlin hat ein flächendeckendes Gasleuchten-Ensemble, das seinesgleichen sucht. Sie ist sozusagen die Welthauptstadt der
Gasbeleuchtung. Aus touristischer Sicht lässt sich sagen, dass Berlin mit diesem Pfund wuchern sollte. Berlin im Gaslicht! Einige europäische Städte haben den Wert der Gasbeleuchtung erkannt, Prag rüstet zur Zeit
sukzessive ihre Altstadt auf Gasbeleuchtung um, die elektrischen Leuchten werden entfernt. Dabei setzt die "goldene Stadt" nicht nur auf die Ästhetik des warmen goldgelben Gaslichts, sondern auf
"Hightech"-Gasbeleuchtungstechnik aus Berlin!
Das Lichtkonzept von SenStadt ist völlig unausgegoren und fachlich fragwürdig. Auf der einen Seite wird zugegeben, die Gasbeleuchtung sei in ordentlichem
Zustand. Gleichwohl will man die Gasreihenleuchten als "Energiefresser" demontieren. An anderer Stelle des Konzeptes steht, dass es nach Entfernen der Gasleuchten und Installieren der Elektroleuchten gerade
nicht heller werden soll. Das Beleuchtungsniveau soll bleiben. Damit soll wohl verhindert werden, dass Anliegerbeiträge fällig werden. Stehen etwa Wahlen vor der Tür? Über den maroden Zustand einer Vielzahl, es geht
hier um 'zig Tausende Elektromaste und Leuchten, wird so gut wie nichts ausgesagt. Dort liegen die vorrangig zu lösenden Probleme, nicht bei der Gasbeleuchtung. Die Elektrobeleuchtung ist vielerorts veraltet, die
Elektroleuchten werden jahrelang nicht geputzt oder gewartet, manche defekte Maste und Leuchten sind ebenfalls jahrelang im Stadtbild zu sehen. Warum kümmert sich SenStadt nicht um die Instandhaltung und Modernisierung
von E-Leuchten, sondern plant den flächendeckenden Abriss einer gut funktionierenden Beleuchtung, der Gasbeleuchtung.
Und was das Aufstellen neuer Elektroleuchten angeht: SenStadt gibt etwa 3000 Euro
für das Stellen einer neuen Elektroleuchte an, man kann sich leicht ausrechnen, wann sich solche Maßnahmen lohnen. Da gehen erstmal 20 Jahre 'rum, bis sich eine Demontage auf dem Papier rechnet. Das aber ohne die
Tatsache der viel längeren Haltbarkeit von Gasleuchten. Hat der Senat nichts besseres zu tun, um Millionen anzulegen, beispielsweise in marode mit Schlaglöchern durchsetzte Straßen, in vernachlässigte und vergammelte
Grünanlagen, Schulen, Kindergärten usw. Wir wissen, dass seit Jahren Lobbyisten der Berliner Elektroleuchtenindustrie mit den Hufen scharren, um lukrative Aufträge wie das Ersetzen der Gasbeleuchtung durch
Elektrobeleuchtung zu erhalten. Man kennt sich...Erst vor wenigen Tagen erschienen in Morgenpost und Tagesspiegel Artikel über den Leuchtenhersteller Semperlux aus Berlin-Marienfelde, der sich hinsichtlich der Demontage
der angeblich veralteten Gasleuchten einiges ausrechnet ...
Dies soll als Stellungnahme erst einmal reichen. Für weitere Informationen stehen wir Ihnen gern zur Verfügung
IHRE GASLICHTINITIATIVE - PRO-GASLICHT
Bettina Grimm 8.4.2008 |