Pressemitteilung 10.Juli 2008
Druckversion pdf ProGaslicht fordert die sofortige Einstellung aller Maßnahmen zur Beseitigung der Berliner Gas-Straßenbeleuchtung! In diesen Tagen beginnt die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung in der Fischerhüttenstraße mit der Umrüstung der dortigen Straßenbeleuchtung von Gas- auf
Strombetrieb. Hierbei handelt es sich nach Angaben der zuständigen Abteilung X OB (Öffentliche Beleuchtung) um den Auftakt eines Projekts, an dessen Ende die Beseitigung nahezu aller 44.000 Berliner Gaslaternen stehen
soll. Für dieses Vorhaben fehlt dem Senat sowohl die Billigung des Parlaments als auch der Rückhalt der Berlinerinnen und Berliner !
Auch in der Fischerhüttenstraße geschehen diese Aktivitäten unter klarer Missachtung des ausdrücklichen Willens der Anwohner. Bei einer kürzlich durchgeführten Unterschriftenaktion der Gaslichtinitiative votierte eine überwältigende Mehrheit der Anwohner für den Erhalt der Gas-Straßenbeleuchtung in der Fischerhüttenstraße und auch in Berlin.
Diese Umrüstung erfolgt ohne jegliche Notwendigkeit, denn die vorhandene Gasbeleuchtung funktioniert zuverlässig, ist völlig intakt und
normgerecht nach DIN. Die Zuleitungen vieler Gaslaternen in der Fischerhüttenstraße wurden erst in den letzten Monaten komplett modernisiert. Die einheitliche Stellungnahme von Fachleuten zu den stadtweiten
Umrüstungsplänen des Senats ist, dass sich diese gigantische Investition von Steuergeldern - wenn überhaupt - erst in mehreren Jahrzehnten amortisieren wird. Doch noch vor diesem Zeitpunkt aber ist die neu installierte
Elektrobeleuchtung bereits schon wieder veraltet, weil sie durch die bevorstehende Entwicklung der LED-Technologie zur Alltagstauglichkeit schon in wenigen Jahren nicht mehr zeitgemäß ist. Das hat selbst Frau Ingeborg
Junge-Reyer (SPD), Senatorin für Stadtentwicklung, vor kurzem eingeräumt.In seiner Argumentation für die Beseitigung der Gasbeleuchtung folgt der Senat ganz offensichtlich der Sichtweise einer
übermächtigen Berliner Stromlobby. Die Behauptungen zur angeblichen Klimaschädlichkeit der Gasbeleuchtung durch überhöht dargestellte CO2-Emissionswerte, die falsch berechnete Energiebilanz zugunsten der
Elektrobeleuchtung, sowie die von Senat und Stromwirtschaft im gleichen Maße deutlich zu niedrig angesetzten Umrüstungskosten sind von Fachleuten wiederholt korrigiert worden. Die zuständige Senatsabteilung aber
ignoriert diese Expertenmeinungen ebenso wie den Wunsch der Berlinerinnen und Berliner nach Erhalt „ihrer“ Gasbeleuchtung. Die Gaslichtinitiative Berlin hat daher massive Zweifel an der Unabhängigkeit der
Senatsabteilung in dieser Angelegenheit. Offenbar wiegen hier die Argumente von Strom-Lobbyisten schwerer als die objektiven Begutachtungen unabhängiger Experten. Ein weiterer Nachteil ist, dass mit
der Gasbeleuchtung auch ihre unnachahmliche Lichtqualität verloren ginge. Geplant ist in der Mehrzahl der jetzt noch mit Gas beleuchteten Straßen sog. Natrium-Dampflampen zu installieren. Die Beleuchtungssituation bei
dem Licht dieser Lampen ist wegen der ungenügenden Farbwiedergabe deutlich schlechter als bei Gaslicht. Auch wird in der Regel die flächendeckende Ausleuchtung der nächtlichen Straßen mit gelbem Natriumlicht von den
Bürgerinnen und Bürgern als unästhetisch und somit als Verlust der Wohnqualität empfunden. Mit der Gasbeleuchtung ginge auch ein weltweit einmaliges historisches, kulturelles und technisches Ensemble
verloren, das ein charakteristisches Element des Berlins Stadtbildes ist und mit seiner Unverwechselbarkeit nahezu die Kriterien eines Berliner Wahrzeichens erfüllt. Der in diesen Tagen preisgekrönte Berlin-Slogan „Sei
einzigartig, sei vielfältig, sei Berlin“ bedeutet für die Planer der Berliner Straßenbeleuchtung offensichtlich nichts mehr als schöne Worte, denn sowohl die Einzigartigkeit der Gasbeleuchtung als auch die schillernde
Vielfältigkeit der Berliner Straßenbeleuchtung überhaupt sollen schrittweise einer natrium-gelben Einheitslösung geopfert werden. BeKu |