Erklärung zu wiederholend aufkommenden Äusserungen in verschiedenen Veröffentlichungen
(bspw. des der Grünen Fraktion angehörigen MDA Andreas Otto), die nicht unkommentiert stehen bleiben sollen. 1.September 2008 10 entscheidende Gründe für die Beibehaltung der Gasstraßenbeleuchtung 1. Gaslicht und Gaslaternen gehören in Berlin zum unverwechselbaren Kulturgut. Weltweit gibt es keine derartige technische Beleuchtungsanlage, ein einzigartiges Flächendenkmal.
2.
Gaslicht ist im Gegensatz zu elektrischem Licht absolut umweltfreundlich. Gas ist ein reines Naturprodukt ohne die Notwendigkeit kostspieliger umweltbelastender Kraftwerke, Leuchtmittel (Glühkörper), Laternen und Maste sind wiederverwertbar.
3.
Gaslaternen und die dazugehörigen Stahl- oder Gusskandelaber sind extrem langlebig und haben eine im Durchschnitt mehr als doppelt so lange Haltbarkeitsdauer als elektrische Laternen und Laternenmaste. Die ältesten Gussmaste (über 1.000 Stück) sind über 160 Jahre alt.
4.
Die Abschaffung der Gasbeleuchtung würde den Steuerzahler mit mindestens 132 Millionen Euro belasten, wahrscheinlich aber noch erheblich mehr, denn es müssten in vielen Straßen aufgrund des Wegfalls des Bestandsschutzes der Gasbeleuchtung etwa ein Drittel mehr E-Leuchten aufgestellt werden.
5. Die Demontage der Gasbeleuchtung würde unweigerlich zu Verkehrsbehinderungen durch 150.000 Baugruben und 250 km Baugräben führen. Die Gefahr der Beschädigung von Baumwurzeln wäre enorm.
6.
Die Gasbeleuchtung ist bereits zur Hälfte (über 20.000 Gasleuchten) komplett modernisiert und auf den technisch neuesten Stand gebracht worden.
7.
Finanzielle Mittel sind in die Instandhaltung und Modernisierung der teilweise veralteten oder sogar maroden Elektrobeleuchtung zu stecken.
8.
Die Störquote bei der Gasbeleuchtung konnte in den letzten 2 Jahren durch Verwendung neuer hochmoderner Schaltgeräte entscheidend gesenkt werden.
9.
Gaslicht ist blendfrei, farbecht und absolut insektenverträglich. Es findet keine Lichtverschmutzung statt.
10.
Gasbeleuchtung kann gezielt im Tourismusmarketing eingesetzt werden („Berlin im Gaslicht"). Wegen seiner Einzigartigkeit ist die Berliner Gasbeleuchtung eine stadtweite Sehenswürdigkeit. 10
falsche Behauptungen der Gaslicht-Gegner und deren Richtigstellung: 1. Die Gasbeleuchtung ist unwirtschaftlich und kostet 20mal mehr als die elektrische Beleuchtung.
- Gasbeleuchtung ist
ohne Zweifel teurer, auf der Basis der Haushaltszahlen von 2007 ist eine Gaslaternen pro Jahr im Verbrauch dreimal so teuer wie eine Elektroleuchte (211 Euro zu 70 Euro). In Wartung und Instandhaltung kostet sie das doppelte
einer Elektroleuchte (103 Euro zu 55 Euro). Zusammen genommen kostet eine Gasleuchte 190 Euro mehr als eine Elektroleuchte (314 Euro zu 124 Euro). Bei den Wartungskosten ist allerdings zu berücksichtigen, dass Gasleuchten
regelmäßig einmal jährlich routinemäßig angefahren, gewartet und gepflegt werden. Dies passiert bei der Elektrobeleuchtung nicht. Ergebnis: Die Gasleuchten wirken fast durchweg sehr gepflegt, Elektroleuchten weisen mitunter einen
extrem starken Verschmutzungsgrad auf. Auch bleiben viele schiefe bzw. angefahrene oder anderweitig marode Elektromaste sowie teilzerstörte Elektroleuchten jahrelang sichtbar.
2. Die
Umrüstungskosten von Gas- auf Elektrolicht in Höhe von 50-70 Millionen Euro (!) rechnen sich schon nach wenigen Jahren.
- Die Umrüstungskosten würden selbst bei Zugrundelegung der Zahl der Senatsverwaltung (3000 Euro pro
Leuchte) schon bei 132 Millionen Euro liegen. Aufgrund einschlägiger EU (DIN) Norm EN 13 201 wird aber sehr häufig eine Verdichtung der Elektrobeleuchtung erforderlich sein. Es werden etwa 30 % mehr (Elektro-)Leuchten als
Gasleuchten gestellt werden müssen, damit erhöht sich die Investitionssumme auf über 170 Millionen Euro. Bei Berücksichtigung anfallender Zinszahlungen amortisiert sich die Investitionen auch nach 150 Jahren nicht.
3.
Jährlich strömen 700.000 m³ Methan aus undichten Masten, Leuchten und Leitungen aus.
- Experten gehen lediglich von etwa 16.000 m³ Methan-Ausstoß jährlich aus. Lediglich bei etwa 20.000 der insgesamt 44.000
Gasleuchten ist technisch überhaupt ein Methanaustritt möglich. Alle übrigen Leuchten sind technisch so ausgerüstet, dass Methan nicht ungewollt entweichen kann. Bei Annahme einer Störquote von 4 % pro Tag (Zahl der GASAG aus dem
Jahr 2000) kann lediglich bei 250 bis etwa 300 Gasleuchten Methangas austreten. Die Fabelzahl von 700.000 m³ ist Panikmache.
4. Glühkörper sind wegen ihrer Radioaktivität für den Menschen gefährlich.
-
Die angebliche Gefährlichkeit von Gasglühkörpern durch Radioaktivität ist ein übler Versuch, die Menschen zu verunsichern. Ein Kilo Kaffee weist mit etwa 1.000 Bequerel mehr radioaktive Strahlung auf als ein Glühkörper. Es gibt
keinerlei Warnhinweise der zuständigen Behörden zur Strahlung der Glühkörper. Ein entsprechendes Gutachten des TÜV Rheinland ist negativ. Ein Mensch müsste schon ein Vollbad in einer Wanne mit Glühkörpern nehmen, um eine leicht
bedenkliche Menge Radioaktivität aufzunehmen. Im übrigen sind abgebrannte Glühkörper problemlos zu entsorgen, die Reste von umweltbelastenden Rückständen der Elektrobeleuchtung, vor allem Giftstoffe und sonstiger Elektroschrott,
sowie Rückstände von Leuchtstoffröhren, besonderen Beschichtungen, Natriumdampf- und Quecksilberdampflampen sind nur mit hohem Energieverbrauch kostspielig zu recyceln.
5.
Durch Demontage der Gasbeleuchtung kann der CO²-Ausstoß erheblich gesenkt werden.
- Der Anteil der Gasbeleuchtung am gesamten Kohlendioxidausstoß Berlins ist mikroskopisch minimal, er beträgt lediglich ca. 0,17 %. Anders
ausgedrückt: Der jährliche CO²-Ausstoß von 4.000 Bundesbürgern entspricht dem jährlichen CO²-Ausstoß der Berliner Gasbeleuchtung. In absoluten Zahlen: CO²-Gesamtausstoß in Berlin: 22 Millionen t pro Jahr, davon Gasbeleuchtung
43.000 t pro Jahr. Hauptverursacher von CO² sind die sogenannten Kleinhaushalte mit etwa 66 % des Gesamtausstoßes, gefolgt vom Verkehr mit 23 % und der Industrie mit 11 %. In der letzteren Zahl ist die Gasbeleuchtung mit 0,17
enthalten. Im Übrigen wird an keiner Stelle darüber ausgesagt, wieviel CO² bei der Erzeugung von Strom freigesetzt wird, zumal es davon abhängt, welche Kraftwerke und welche Primärenergie für die Stromerzeugung notwendig ist. Dass
auch bei umfangreichen Umrüstarbeiten Energie verbraucht und CO² ausgestoßen wird, bleibt ebenfalls außen vor.
6. Die Normative Nutzungsdauer der Gasbeleuchtung ist abgelaufen.
Die Gasbeleuchtung Berlins
ist alles in allem in einem gepflegten Zustand. Es gibt keine angefahrenen oder durchrosteten Maste oder Leuchten, ganz im Gegensatz zur elektrischen Beleuchtung. Etwa 21.000 Gussmaste weisen einen sehr guten Zustand auf, viele
sind über 100 Jahre alt, etwa 1000 sogar über 160 Jahre. Knapp 20.000 Stahlrohrmaste sind direkt gasführend und viele davon bereits seit über 50 Jahren in Betrieb. Da sie direkt gasführend sind, werden sie vor Korrosion geschützt.
Auch die Leuchten haben eine Lebensdauer, die in der Regel mehr als doppelt so lang ist wie die einer vergleichbaren E-Leuchte. Gleichwohl wurden in den letzten Jahren etliche Tausend Leuchten erneuert. Bei der E-Beleuchtung
besteht ein akuter Handlungsbedarf bei etwa 36.000 Betonlichtmasten, 26.300 RSL-Leuchten, 2.000 Holzlichtmasten sowie schadhaften Stahlrohrlichtmasten. Auch gibt es zahlreiche Straßen ohne Beleuchtung. Der Investitionsstau
beträgt bei der E-Beleuchtung mindestens 55 Millionen Euro.
7. Gaslaternen haben eine hohe Störquote und sind wartungsintensiv.
- Die Gasbeleuchtung wurde in den letzten Jahren erheblich modernisiert,
sowohl hinsichtlich der Gasleitungen als auch der Gasleuchten. Über 20.000 Berliner Gasleuchten werden durch ein hochtechnologisches Schaltsystem gesteuert, etwa die Hälfte davon bezieht ihre Energie durch eine Solarzelle,
Batterien wurden überflüssig. Die Schaltgeräte werden durch Datenübertragung programmiert, Zündzeiten oder Zündstartversuche können problemlos eingestellt und verändert werden. Die Schaltsystem haben eine sehr lange
Lebensdauer (über 232.000 Zündvorgänge durch TÜV getestet). Auch die Lebensdauer von Glühkörpern ist durch die durch die neuen Schaltgeräte jetzt „sanftere" Zündung erheblich verlängert worden.
8.
Gasbeleuchtung ist unmodern und ein kostenintensiver Spaß für Vergangenheitsverklärte.
- Die Gasbeleuchtung in Berlin ist technisch wesentlich moderner als die elektrische Beleuchtung, die einen hohen
Instandsetzungsbedarf hat. Die in Berlin entwickelten Gasbeleuchtungstechnologien sind inzwischen auch außerhalb Berlins gefragt. Städte und Gemeinden in Deutschland und vor allem dem europäischen Ausland zeigen sich inzwischen
sehr interessiert.
9. Bei Gasleuchten besteht die Gefahr einer „psychologischen Blendung" der Verkehrsteilnehmer durch die hellen punktförmigen Glühstrümpfe, da sie keine hochwertigen Licht lenkenden Optikern
aufweisen.
- Gaslicht ist absolut blendfrei und farbecht. Im übrigen zieht es keine nachtaktiven Insekten an, ganz im Gegensatz zur E-Beleuchtung. Durch das Massensterben der Insekten durch elektrisches Licht
verringert sich markant auch die Zahl der Tiere, die von Insekten leben, also Vögel, Spinnen, Fledermäuse u.a.
10. Die Vielzahl bestehender Leuchtentypen sorgt für erhebliche Instandsetzungs- und Wartungskosten.
- Die angebliche Vielfalt an Leuchtentypen (insgesamt angeblich 1.600 Typen) trifft nur auf die elektrische Beleuchtung zu, bei der Gasbeleuchtung sind seit mehr als 50 Jahren lediglich 4 Grundtypen im öffentlichen Raum
anzutreffen. Etwa 30.700 Aufsatzleuchten, 8.400 Reihenleuchten, 3.400 Hängeleuchten und 1.300 Modellleuchten, daneben gibt es noch einige Sonderleuchten. Selbst bei Berücksichtigung von Gasleuchten mit 4, 6 oder 9 Flammen,
besonderen Schaltgeräten, Nachtabsenkungen, Zündflammen oder anderweitigen Besonderheiten kommt man vielleicht auf etwa 25 bis 30 Varianten bei der Gasbeleuchtung, dagegen stehen 1.570 unterschiedliche Typen von elektrischer
Beleuchtung. Bettina Grimm |