Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin,
die Stadt Frankfurt am Main plant mittelfristig die Abschaffung der traditionellen Frankfurter
Gas-Straßenbeleuchtung. Zunächst sollen pro Jahr etwa 500 Gasleuchten abgebaut und durch Elektroleuchten ersetzt werden.
Muss Frankfurt an Vielfalt in der Lichtkultur verlieren?
Das Gaslicht
ist ein einmaliges und unverwechselbares identitätsstiftendes Stück Frankfurter Industrie- und Verkehrsgeschichte. Die Komplexität des Alltagsgegenstandes Gasleuchte wird vielfach unterschätzt. Die Gaslaterne mit ihrem
einprägsamen honigfarbenen Gaslicht ist gestalterisch von Bedeutung und wertet das Stadtbild auf. Gasleuchten finden sich nur in sehr wenigen Städten. Sie sorgen mit ihrem goldgelben Licht in zahlreichen
Wohnstraßen und Alleen für eine ausreichende und sehr ansprechende Ausleuchtung. Haben Sie sich schon einmal selbst davon überzeugt, wie qualitativ hochwertig Gaslicht ist? Wenn Sie sich zum Beispiel in die Ostpark-,
Holzhausen- oder Rotlintstraße begeben, empfängt sie ein unvergleichlich schönes Licht.
Gaslicht mit seiner vollendeten Qualität in Farbwiedergabe und Farbtemperatur ist für ein elektrisches
Leuchtmittel unerreichbar. Ein elektrischer Ersatz kann auch nicht schön geredet werden. Die Demontage der Stadtbild prägenden Gasleuchten stellt einen nicht nachvollziehbaren Prozess der Vernichtung ideeller und
kultureller Werte dar. Die Verfechter der Elektrobeleuchtung betrachten das Gaslicht als nicht mehr zeitgemäß, es wird versucht, die Abschaffung der Gasbeleuchtung mit vorgeblich objektiven Argumenten ideologisch zu
überdecken. Gerade der Betrieb von Gasleuchten eignet sich zum Einsatz regenerativer Energien, zum Beispiel Biogas. Mehrere Versuche laufen derzeit.
Sollen wir uns diese Zukunftsoption verbauen?
Wurde denn schon einmal untersucht, welchen Zusammenhang es geben könnte zwischen der Qualität des öffentlichen Lichts zum einen und dem Aufkommen von Ordnungsstörungen wie Verwahrlosung und Vermüllung des
Straßenraums sowie dem Ansteigen von Aggressivität zum anderen?
Wer legt fest, dass sich eine hochwertige Straßenbeleuchtung mit Gaslicht kaufmännisch rechnen muss? Ist es nicht vielmehr so, dass
öffentliche Angebote wie Museen oder Sehenswürdigkeiten, aber auch die Kultur generell niemals kostendeckend arbeiten können? Frankfurt scheut bekanntlich keine Kosten, zahlreiche hochwertige Elektroleuchten in
zentralen Stadtbereichen aufzustellen. Die Altstadt soll teilrekonstruiert werden, das ist gut so, denn es gibt der Stadt ihr Herz zurück. Original ist es aber nicht. Warum sollen dann aber gerade die wirklich
authentischen Gasleuchten mit ihrem unverwechselbaren Licht verschwinden?
Möge in der Zukunft die Vielfalt des Lichts für Frankfurt erhalten bleiben, damit sich diese Stadt von anderen Metropolen
weiter abhebt.
Mit freundlichen Grüßen