ProGasLicht 

ProGaslicht e.V.

Verein zur Erhaltung und Förderung des Gaslichts als Kulturgut

 

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Offener Brief an den Regierenden Bürgermeister von Berlin, 13.1.2009

Die Vielfalt im Berliner Licht und die Gaslaternen

- Offener Brief -

Sehr geehrter Herr Regierender Bürgermeister,

die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung plant mittelfristig die Abschaffung der traditionellen Berliner Gas-Straßenbeleuchtung. Zunächst sollen etwa 8.400 Gas-Reihenleuchten abgebaut und durch Elektroleuchten ersetzt werden.

Muss Berlin an Vielfalt in der Lichtkultur verlieren?

Das Gaslicht ist ein einmaliges und unverwechselbares identitätsstiftendes Stück Berliner Industrie- und Verkehrsgeschichte. Die Komplexität des Alltagsgegenstandes Gasleuchte wird vielfach unterschätzt. Auch die sogenannte Gas-Reihenleuchte ist gestalterisch von Bedeutung und wertet das Stadtbild auf.  Dieser Leuchtentyp findet sich nur in Berlin. Sie sorgt mit ihrem goldgelben Licht in zahlreichen Wohnstraßen und Alleen für eine ausreichende und sehr ansprechende Ausleuchtung. Haben Sie sich schon einmal selbst davon überzeugt, wie qualitativ hochwertig Gaslicht ist? Wenn Sie sich zum Beispiel in die Bismarckallee in Berlin-Grunewald begeben, empfängt sie ein unvergleichlich schönes Licht.

Gaslicht mit seiner vollendeten Qualität in Farbwiedergabe und Farbtemperatur ist für ein elektrisches Leuchtmittel unerreichbar. Ein elektrischer Ersatz kann auch nicht schön geredet werden. Die Demontage der Stadtbild prägenden Gasleuchten stellt einen nicht nachvollziehbaren Prozess der Vernichtung ideeller und kultureller Werte dar. Die Verfechter der Elektrobeleuchtung betrachten das Gaslicht als nicht mehr zeitgemäß, es wird versucht, die Abschaffung der Gasbeleuchtung mit vorgeblich objektiven Argumenten ideologisch zu überdecken.

Gerade der Betrieb von Gasleuchten eignet sich zum Einsatz regenerativer Energien, zum Beispiel Biogas. Mehrere Versuche laufen derzeit. Sollen wir uns diese Zukunftsoption verbauen?

Wurde denn schon einmal untersucht, welchen Zusammenhang es geben könnte zwischen der Qualität des öffentlichen Lichts zum einen und dem Aufkommen von Ordnungsstörungen wie Verwahrlosung und Vermüllung des Straßenraums und dem Ansteigen von Aggressivität zum anderen?

Wer legt fest, dass sich eine hochwertige Straßenbeleuchtung mit Gaslicht kaufmännisch rechnen muss? Ist es nicht vielmehr so, dass öffentliche Angebote wie Museen oder Sehenswürdigkeiten, aber auch die Kultur generell niemals kostendeckend arbeiten können?

Möge in der Zukunft die Vielfalt des Lichts für Berlin erhalten bleiben, damit sich diese Stadt von anderen Metropolen weiter abhebt.

Mit freundlichen Grüßen

Bettina Grimm                                                                                                        Markus Jurziczek von Lisone

Gaslichtinitiative ProGaslicht

 

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4/2008 Erstellt von den Berliner Verkehrsseiten für ProGaslicht