Berliner Gaslaternen - Die Woche der Entscheidung?
Berlin, 13.3.2009:
Entscheidet sich in der kommenden Woche (18.3.2009) das Schicksal der Berliner Gasbeleuchtung? Werden tatsächlich die finanziellen Weichen gestellt, um zunächst (das heißt in den nächsten Jahren) alle Berliner Gas-Reihenleuchten zu demontieren? Quasi als Einstieg in den totalen Ausstieg? ProGaslicht hat in den letzten Wochen nochmals alles versucht, um ein Umdenken der Verantwortlichen zu erreichen.
Foto: 6-flammige Reihenleuchte in Berlin. Foto: Jurziczek
Zuerst schrieben wir an den Regie-renden Bürgermeister. Der allerdings scheint sich nicht wirklich für die "Niederungen" der öffentlichen Beleuchtung in Berlin zu interessieren. Mit einem lapidaren
Antwortschreiben wurde uns mitgeteilt, dass die Angelegenheit der zuständigen Fachbehörde, also genau wieder denjenigen, die das Gaslicht verbannen wollen, zur Beantwortung weitergeleitet
wurde. Das Antwortschreiben der Abteilung X O der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung war dann auch entsprechend. Abteilungsleiter Bühring erklärte die Reihenleuchten aus den 50er Jahren
für kulturell nicht wertvoll und nicht erhaltenswert. Soso, Herr Bühring bestimmt über die Kultur in Berlin. Außerdem sprach er von der Berliner Haushaltsnotlage, die eine Demontage der
unwirtschaftlichen Reihenleuchten erforderlich mache. Hatte nicht vor einiger Zeit das Bundes-verfassungsgericht festgestellt, dass Berlin gar keine Haushaltsnotlage hat, lediglich eine
angespannte Finanzlage? Kurioserweise sprach Herr Bühring auch davon, dass der sogenannte Peitschenmast gar nicht zum Gasreihenleuchten-(Kopf) passen würde? Ein Witz, denn der
Peitschenmast wurde zusammen mit der Reihenleuchte als "non-plus-ultra" der Straßen-beleuchtung der 50er Jahre gerade von den Gasbeleuchtungstechnikern entwickelt.
Aber da werden Dinge von der Senatsverwaltung erzählt, die absolut verkehrt sind. Es ist wirklich sinnlos, die offensichtlich beratungsrestistente Senatsverwaltung zur Vernunft zu bewegen. Zuletzt
haben wir uns nochmals an alle Mitglieder des Hauptausschusses des Berliner Abgeordnetenhauses gewandt und eindringlich gebeten, die Sache zu überdenken und keine Gelder für die sinnlose Zerstörung der Gasbeleuchtungskultur -
hier im besonderen der Demontage der Reihenleuchten - freizugeben. Auch Noch-Finanzsenator Thilo Sarrazin erhielt ein Schreiben von uns. Ob das alles hilft?
In 14 Tagen werden wir vielleicht mehr wissen. Eines steht jedenfalls schon jetzt fest: Die Zerstörung kultureller Werte hat in diesem Land offenbar Tradition. Es scheint so manchen
Verantwortlichen regelrechten Spaß zu machen, Traditionen, Werte, Historie und Kultur zu "entsorgen". Egal, wie entschieden wird. Wir werden den Protest hochhalten und diesen Unsinn
immer und immer wieder ansprechen. Bettina Grimm |