Artikel erschien im Mitteilungsblatt des Vereins “Der Zündfunke Heft 6/7-2009”, Sonderdruck in PDF hier Frankfurter Abrißpläne vom Tisch!Reges Bürgerengagement stoppt Gaslicht-Demontage Im Februar 2009 hatten wir im Zündfunken berichtet, dass es in Frankfurt am Main, einer der letzten Hochburgen der Gasbeleuchtung in Deutschland, bedrohlich wird. Gemeinsam
mit der für die städtische Beleuchtung zuständigen Straßenbeleuchtung Rhein-Main (SRM), einem Tochterunternehmen der Mainova, hatte sich das Stadtplanungsamt vorgenommen, in den nächsten Jahren sämtliche Gaslaternen
„Mainhattans“ zu demontieren. Das ganze wurde mit den üblichen Argumenten begründet: Zu wenig Licht für zuviel Kosten, altmodisch,
umweltschädlich usw.usf.. Was also tun? ProGaslicht wurde aktiv. Wir haben uns an die Oberbürgermeisterin der Stadt, Frau Petra Roth gewandt und ihr einen Brief geschrieben. Auch sämtliche
Frankfurter Ortsbeiräte erhielten von uns eine Mitteilung über die Pläne, einen stadtkulturellen Kahlschlag vorzunehmen. Wir baten um Unterstützung und Hilfe bei der Erhaltung des Frankfurter
Gasgeleuchts. Die Hilfe kam, und sie kam geballt. Allen voran der Ortsbeirat 9, zuständig für die Stadtteile Dornbusch, Eschersheim und Ginnheim, der sich vehement für den Schutz und Erhalt der
Gaslaternen und vor allem auch des Gaslichts einsetzte. Die von uns geplante und auch gestartete stadtweite Flugblattaktion wurde von unseren ProGaslichtern im Rhein-Main-Neckar-Raum mit
großer Energie durchgeführt und bekam tatkräftige Unterstützung von Bürgerinnen und Bürgern. Vereine in Frankfurt beteiligten sich, man sammelte Unterschriften und richtete sich mit Appellen
an Politiker der Stadt. Der sprichwörtliche Frankfurter Bürgersinn kam zum Tragen. Ein wichtiges Signal war sicherlich auch ein direktes Gespräch zwischen engagierten Frankfurter Bürgern und der Oberbürgermeisterin.Aufnahme aus Frankfurt/Hansaallee 1937. Quelle Institut für Stadtgeschichte, Frankfurt/M Bürgervereinigung Dichterviertel e.V.
Großartig brachte sich auch die Bürgervereinigung Dichterviertel e.V. ein. Sie stellte Ende April beim Hessischen Landesamt für Denkmalpflege einen Antrag auf Denkmalschutz für das Frankfurter Gaslicht.
Zwar versuchte insbesondere das Stadtplanungsamt, aber auch die SRM, durch teilweise unwahre und auch tendenziöse Informationen in der Presse ihre Abrisspläne zu verteidigen. Da wurde behauptet, die Unfallgefahr
für Bürger sei wegen des zu dunklen Gaslichts erhöht, man hätte Schwierigkeiten mit der Materialbeschaffung,
weil man Ersatzteile für die Gasbeleuchtung im Ausland kaufen müsse und überhaupt hätte alles seine Zeit gehabt: Die Gaslaternen ... aber auch die Dampflokomotive. Solche Bemerkungen sind derart daneben, dass wir das
nicht kommentieren möchten. Bürgervereinigung Dichterviertel beim Sammeln der Unterschriften zum Erhalt der Gasbeleuchtung
Inzwischen hatte ProGaslicht mit Hochdruck gearbeitet. Wir ließen mit Unterstützung eines Vereinsmitglieds aus Solingen durch einen Finanzexperten berechnen, ob sich bei Verwendung der Zahlen, die von seiten der Stadt
vorgelegt worden waren, eine Umrüstung der Gasbeleuchtung auf Strom überhaupt rechnet und ab wann. Das Ergebnis war genau so frappierend, wie wir das immer vermutet hatten. Je nach Höhe des Zinssatzes für die
Finanzierung der Umrüstungsaktion rechnet es sich entweder überhaupt nicht oder erst nach über 100 Jahren.
Die Sitzung des Verkehrsausschusses der Frankfurter Stadtverordneten Ende Mai sorgte dann endlich für zunächst klare Verhältnisse: Mit großer Mehrheit wurde beschlossen, für die Dauer der nächsten 3 Jahre keine
weiteren Gaslaternen in Frankfurt zu demontieren. Zwar berichtete am darauf folgenden Tag die lokale Presse lediglich von einem Moratorium für die Laternen im Dichterviertel, also dem Stadtquartier, von dem der
Widerstand gegen den Laternen-Kahlschlag seinen Ausgang nahm. Diese Meldung war aber nicht richtig, was
wohl daran lag, dass die Pressevertreter die Sitzung etwas zu früh verlassen hatten. Der Beschluss gilt definitiv für alle Gasleuchten der Stadt Frankfurt am Main. Fritz-Reuter-Str. im Sommer 2009
Um nun eine wirklich dauerhafte Sicherheit für die Gaslaternen zu bekommen, ist der Denkmalschutz gefragt. Außerdem hoffen wir, dass sich die Stadt Frankfurt wirklich einmal Gedanken darüber macht, warum die von
dem Beleuchtungsbetreiber SRM in Rechnung gestellten Kosten für die Unterhaltung der Gaslaternen so erheblich teurer sind als andern Orts. Die Unterhaltung einer Frankfurter Gasleuchte ist fast 4mal teurer als die
einer Berliner. Würden die Frankfurter Gaslaternen mit modernerer Technik versehen, so gäbe es garantiert erhebliche Einsparungspotentiale. Als Folge davon wäre aber auch eine spätere Demontage noch viel
unrentabler, als sie jetzt schon ist. Abschließend nochmals ganz großen Dank allen Mitstreitern für das gute Licht: Für das Kulturgut Gaslicht! Monika von Savigny Sehr in der Abenddämmerung zu empfehlen: Frankfurt: Ostparkstraße mit Gas-Reihenleuchten und Aufsatzleuchten |