ProGasLicht 

ProGaslicht e.V.

Verein zur Erhaltung und Förderung des Gaslichts als Kulturgut

 

      29,5 Mio. Euro für den Rückbau der 8.400 Berliner Gasreihenleuchten –   Die Elektrobeleuchtung hätte dieses Geld dringend nötig!

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29,5 Mio. Euro hat der Berliner Hauptausschuss nun für den Umbau der funktionierenden Gasreihenleuchten bewilligt. Sie sollen restlos verschwinden, keine noch so kleine Straße soll vor dem Umbau auf elektrische Laternen verschont bleiben. Berlin hat es eigentlich nicht so dicke mit dem Geld, gerade daher sollte das Geld auch überlegt ausgegeben werden. Tatsächlich sind die 29,5 Mio. Euro eine gute Investition in die Berliner Straßenbeleuchtung. Es ist aber ein Fehler, sie für den Abriß der gepflegten und einwandfreien Gasreihenleuchten zu verwenden.

Die Berliner Gaslaternen sind durchweg eine funktionierende  Beleuchtungsinstallation, die den gültigen Sicherheits-anforderungen entspricht. In den Stadtrandbereichen gibt es jedoch bei der elektrischen Straßenbeleuchtung seit Jahrzehnten Mängel, Provisorien und Unzulänglichkeiten.

Beispiel Berlin Zehlendorf, Benschallee: Vor 20 Jahren noch eine verschlafene Straße am Stadtrand. Heute eine Straße mit hohem Verkehrsaufkommen als Verbindung zwischen Kleinmachnow und Zehlendorf. Die Holzmaste der Straßenbeleuchtung sind hier schätzungsweise 50 Jahre alt. Es sind mittlerweile schiefe und vertrocknete  teergetränkte Holzpfähle, die elektrischen Kabel sind als Freilandkabel ausgeführt. Hier ist die Standsicherheit in wenigen Jahren nicht mehr gegeben. Absoluter Sanierungsbedarf! Ein in der Freiluftleitung eingewachsener Baumstumpf  lässt die Dauer dieses Beleuchtungs-provisoriums erahnen. Alt wie ein Baum ist hier nicht nur die Straßenbeleuchtung. So sieht eine sanierungsbedürftige Straßenbeleuchtung aus.

In den östlichen Berliner Bezirken stehen z.B. noch Tausende der Rostocker Stadtleuchte (RSL), die den heutigen VDE-Bestimmungen (Sicherheitsbestimmungen für elektrische Anlagen)  nicht mehr entsprechen und  lediglich Bestandsschutz haben. Gemäß den VDE-Bestimmungen müssen elektrische Installationen für den Außenbereich in einem vor Feuchtigkeit geschützten Gehäuse betrieben werden, was bei den RSL nicht der Fall ist. Zudem gibt es Mängel an der Abdichtung der Sicherungsklappen im Betonsockel der Laternen. Auch die Standfestigkeit der ersten Betonmaste mit RSL ist in vielen Straßen in Frage zu stellen.

RSL auf Betonmast. Auch diese Leuchte zeigt  Identität in den Straßen. Jedoch erfüllen diese Elektroleuchten nicht die heutigen VDE-Anforderungen für einen sicheren Betrieb. Das Leuchtmittel ist ungeschützt der Feuchtigkeit ausgesetzt.

Bisher hat es der Berliner Senat vermieden, die Gelder für eine Umsetzung der VDE-Bestimmungen bei den RSL freizugeben. Eine Berliner Leuchtenfirma hat extra für diesen Zweck einen modernen Nachbau der RSL nach VDE-Standard entwickelt, um den typischen Straßenzügen die Identität nicht zu nehmen.  Ein Austausch ist also möglich, hier besteht sogar absoluter Handlungsbedarf zur Erneuerung der Straßenbeleuchtung.

Es gibt noch weitere Mängel bei der elektrischen Beleuchtung Berlins, dies sind nur einzelne Beispiele. Wir könnten noch  Beleuchtungsprovisorien aus Zehlendorf, Steglitz, Spandau, Reinickendorf, sowie noch viel zahlreicher aus den östlichen Stadtrandgebieten aufzeigen. Ganz gezielt haben wir hier zwei Beispiele aus dem Westen der Stadt gezeigt, um nicht den Effekt hervorzurufen, „im Osten sei  durch die Teiung Berlins noch vieles nicht auf westlichen Stand gebracht“. Deutlich wollen wir erklären, dass die Berliner Gasbeleuchtung kein Sanierungsfall ist. Viel mehr ist bei der elektrischen Straßenbeleuchtung eine dringend notwendige Sanierung erforderlich.

Der Verein ProGaslicht würde durchaus die Beantragung der Mittel in Höhe von 29,5 Mio Euro begrüßen, um die Mängel der elektrischen Straßenbeleuchtung zu beseitigen, die vor allem auch durch schlechte Wartung in den letzten Jahren entstanden ist. Die rund 30 Mio Euro können nur einmal ausgegeben werden. Werden also die 8.400 Gasreihenleuchten durch elektrische Beleuchtungsinstallationen ersetzt, muss nochmals Geld für die Modernisierung zahlreicher elektrischer Beleuchtungen auf Berlins Straßen aufgebracht werden.

Der Verein ProGaslicht setzt sich für den gesamten Erhalt der Gasreihenleuchten ein und möchte die Berliner vor jahrelangen Grabungsarbeiten in den Wohnstraßen bewahren. Wir sehen hier eine nicht erforderliche Baumaßnahme, die aus technischer Sicht nicht erforderlich ist und aus betriebswirtschaftlicher Sicht als zweifelhaft angesehen werden muss. Die sprichwörtliche „Milchmädchenrechnung“ wird hier aufgemacht, um ein Zeugnis der Industriekultur zu entfernen. Rund 30 Mio. Euro sollen langfristig Einsparungen in den höheren Betriebskosten versprechen. Bei den geringen Differenzen sind 30 Mio. Euro nicht gerechtfertigt.

Links: Die Gasreihenleuchte ist technisch stadtweit  in einem guten Zustand. Hingegen es (rechts) in vielen Berliner Stadtteilen Jahrzehnte alte Beleuchtungsprovisorien gibt (hier: Sachtlebenstr. in B-Zehlendorf.). Die 30 Mio-Euro zum stadtweiten  Austausch der intakten Gasreihenleuchten beheben die Provisorien in den Stadtrandlagen nicht (bspw. Spandau, Mahlsdorf, Zehlendorf)

Berlin will arm, aber sexy sein, so titelt der Berliner Bürgermeister gerne. Wie will Berlin ohne den Schein einer Gaslaterne noch sexy sein?

Verein ProGaslicht

Bettina Grimm

Markus Jurziczek von Lisone

Text und Bilder: Jurziczek von Lisone. Alle Bilder sind aktuell von 4/2009!

 

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4/2008 Erstellt von den Berliner Verkehrsseiten für ProGaslicht